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Bikepacking mit Baby - seit vier Monaten unterwegs durch Europa

Den Begriff „Baby“ zu nutzen, fühlt sich eigentlich schon lange nicht mehr so passend an, wenn der kleine Mann selbst über den Campingplatz läuft. Oder wenn er von allein morgens in seinen Fahrradsitz klettert, als wollte er sagen: Ich wär‘ dann so weit, wie sieht‘s bei euch aus?


Einen Tag nach seinem ersten Geburtstag hat diese Reise begonnen. Vier Monate später ist sie einfach unser Alltag. Wir stehen auf, frühstücken, packen die Fahrräder. Etwa zwei Stunden nachdem Loic wach geworden ist, fahren wir los, weil er dann schon ungeduldig wird und die erste Müdigkeit kommt.

Meistens schläft er sehr schnell ein, sobald die Räder über den Asphalt ruckeln, und während er seine erste Siesta macht, legen wir die ersten 15 bis 20 Kilometer zurück, auf einem Ohr ein Hörbuch, Musik oder einfach die Geräusche um uns herum.


Sobald Loic wach wird oder keine Lust mehr auf Sitzen hat, halten wir auf unserer Navigationsapp Mapy Ausschau nach einem Spielplatz, einem Supermarkt, einer Wasserquelle oder einfach einem Picknicktisch. Sightseeing gehört sehr wenig dazu, stattdessen sind wir vor allem an Rutschen, Schatten, einer Bank zum Baguetteschmieren oder womöglich einer Badestelle interessiert.


Nach zwei, drei Stunden Austoben geht es weiter. Eine zweite Siesta auf dem Fahrrad ist bei Loic immer drin, und am Nachmittag oder frühen Abend rollen wir auf einen Campingplatz, zu Warmshowers-Gastgebern oder in ein Airbnb. Zelt aufbauen, kochen, duschen, Spielsachen einsammeln, müde auf die Isomatte fallen, den nächsten Tag planen, mit Glück noch ein bisschen Energie zum Lesen übrig, nachdem Loic eingeschlafen ist. Am nächsten Morgen beginnt alles von vorn.


Im ersten Monat der Reise waren wir noch zögerlich mit dem Zelten, dachten, wir würden vielleicht noch frieren (oh, was sehnen wir uns mittlerweile nach den Temperaturen im Frühling zurück!). Wir schliefen damals fast jede Nacht bei Warmshowers-Gastgebern, die uns liebenswürdig in Empfang nahmen und meist großzügig bekochten oder in Airbnb‘s und mal im Hotelzimmer – lebten, wie wir fanden, recht dekadent, aber wir dachten, die wärmeren Monate würden kommen und mit ihnen könnten wir das Geld beim Zelten wieder einsparen.


Unsere bisherige Route - 3.000 Kilometer geschafft!
Unsere bisherige Route - 3.000 Kilometer geschafft!

Als wir dann an der Atlantikküste in Frankreich ankamen, gab es endlich alle paar Kilometer Campingplätze, und wir konnten morgens einfach losfahren, statt tagelang im Voraus Unterkünfte zu organisieren. Endlich weniger Planungsstress!


Im Frühling haben wir morgens noch überlegt, ob Loic zusätzlich zur Fleecejacke den Regenanzug braucht. Wenige Wochen später warteten wir sehnsüchtig darauf, dass die Temperaturen endlich wieder unter 35 Grad fallen (oder gerne auch unter 30). Wir haben gelernt (bzw. theoretisch wussten wir das schon vorher), dass wir regelmäßige Pausen brauchen, und dass Housesitting oder Besuche von Familie und Freunden, die bedeuten, dass wir länger an einem Ort bleiben, keine Unterbrechung der Reise sind, sondern ein wichtiger Teil davon. Urlaub vom Reisen, Urlaub von unserem Fahrradalltag („Ihr könnt das gut haben!“, würde man mir zuhause sagen 😉).


Kurzer Zwischenstopp in Nordspanien (ohne Fahrrad)
Kurzer Zwischenstopp in Nordspanien (ohne Fahrrad)

Nach zwei Monaten konnte ich mir noch gar nicht vorstellen, bald nach Hause zu wollen. Nach etwa drei Monaten gab es schon Momente, an denen mich das ständige Planen müde machte: wo schlafen wir morgen, gibt es von da aus dann übermorgen auch einen Campingplatz, wie viel Steigung gibt es dann auf der Strecke, in welche Richtung wollen wir allgemein, etc. Dann ist die beste Lösung meistens: 5 Tage an einem Ort, alles auf Reset, Zeit für ausgiebiges Frühstücken, Planen, Lesen, Schreiben, zuhause Anrufen.


Bisher gab es für jede Überforderung eine Lösung. Ein zahnendes Kind schläft auch zu Hause schlecht. Anstrengende Nächte gibt es überall. Der Unterschied ist vielleicht, dass wir sie manchmal mit Blick aufs Meer erleben und manchmal zwischen Weinbergen oder unter Pinien. Der Unterschied ist aber auch, dass wir auf der Reise nicht die Unterstützung um uns herum haben, die wir im ersten Jahr zuhause hatten. Dafür haben wir aber uns. Und viel Zeit. 🧡


Was vielleicht am meisten Spaß macht, sind die Menschen, denen wir begegnen. Mit Kleinkind bleibt man selten unbeachtet. Jeden Tag kommen Leute auf uns zu, winken Loic zu, schenken ihm einen Joghurt, den sie gerade im Supermarkt gekauft haben, erzählen von den eigenen Kindern und Enkeln. Loic beobachtet interessiert die anderen Kinder auf dem Spielplatz (aber starrt sie bisher nur ernst an) und ruft entzückt „Wow!“ wenn ein Tier jeglicher Art an ihm vorbeikommt.


Natürlich wird er sich später nicht bewusst an einen Campingplatz oder eine Küste erinnern, aber er darf so viel mit beiden Eltern um ihn herum erleben, ist offen gegenüber anderen Menschen und darf dann auch einfach später noch lernen, wie er ruhig beim Essen auf seinem Stuhl sitzen bleibt.

Im Moment lernt er vor allem, sich auf Neues einzulassen. Er probiert unterschiedliches Essen, hört jeden Tag andere Sprachen und verbringt die meiste Zeit draußen.


Für uns fühlt sich unser Leben aufregend, aber teilweise auch einfach normal an. Wir fahren Fahrrad. Wir kaufen ein. Wir suchen Spielplätze. Wir kochen Nudeln. Wir waschen Wäsche.


Nur eben mit wechselndem Ausblick und an wechselnden Orten. Und das war noch längst nicht alles!


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